April 2026

Cannabis in der Apotheke richtig lagern – Qualität, Sicherheit und gesetzliche Vorgaben

Mit der zunehmenden Verordnung von Medizinalcannabis gewinnt die fachgerechte Lagerung von Cannabis in Apotheken immer mehr an Bedeutung. Cannabisblüten und Cannabisextrakte zählen zu den qualitätskritischen Arzneimitteln und unterliegen besonderen Anforderungen an Aufbewahrung, Kontrolle und Dokumentation.Dieser Blogbeitrag bietet Apotheken einen praxisnahen, detaillierten Überblick, wie medizinisches Cannabis korrekt gelagert wird – von den optimalen Umgebungsbedingungen über geeignete Behältnisse bis hin zu rechtlichen Rahmenbedingungen.

Um die Wirksamkeit, Sicherheit und gesetzliche Konformität zu gewährleisten, gelten klare Anforderungen an Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Behältnisse und Dokumentation.

Besonderheiten von medizinischem Cannabis als Arzneimittel

Medizinisches Cannabis unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von klassischen Fertigarzneimitteln:

  • Es handelt sich um ein pflanzliches Naturprodukt
  • Die Wirkstoffgehalte (THC, CBD) können empfindlich auf Umweltfaktoren reagieren
  • Zusätzlich zu Cannabinoiden enthalten die Blüten Terpene, die für Wirkung und Aroma relevant sind
  • Cannabis ist anfällig für Feuchtigkeit, Schimmel und Licht

Daraus ergibt sich eine besondere Verantwortung für Apotheken, da Qualitätsverluste direkt die therapeutische Wirksamkeit beeinflussen können.

Ziel der sachgerechten Lagerung

Die fachgerechte Lagerung verfolgt mehrere zentrale Ziele:

  • Erhalt der Wirkstoffstabilität über die gesamte Lagerdauer
  • Vermeidung mikrobiologischer Belastungen
  • Sicherstellung der Arzneimittelsicherheit bis zur Abgabe
  • Einhaltung gesetzlicher und apothekenrechtlicher Vorgaben
  • Schutz vor unbefugtem Zugriff

 

Nur wenn alle Faktoren zusammenspielen, kann Medizinalcannabis sicher und wirksam an Patientinnen und Patienten abgegeben werden.

Optimale Lagerbedingungen für Cannabis in Apotheken

Temperaturmanagement
Die Lagertemperatur spielt eine zentrale Rolle für die chemische Stabilität der Cannabinoide.

  • Empfohlener Temperaturbereich: 15–25 °C
  • Starke Temperaturschwankungen sind zu vermeiden
  • Keine Lagerung:
    – in Fensterbereichen
    – in der Nähe von Heizungen
    – über Kühlaggregaten

 

Zu hohe Temperaturen beschleunigen den Wirkstoffabbau, während extreme Kälte die Struktur der Blüten beeinträchtigen kann.

Luftfeuchtigkeit und Schimmelschutz

Cannabisblüten reagieren besonders sensibel auf Feuchtigkeit. Der optimale Bereich liegt zwischen 55 und 65 % relative Luftfeuchtigkeit.

 Bei relativer Luftfeuchtigkeit über 65 % besteht ein erhöhtes Risiko für Schimmel und bakterielle Kontamination.

 Bei relativer Luftfeuchtigkeit < 55 % besteht die Gefahr von Austrocknung, Verlust von Terpenen und Wirkstoffqualität.

Praktische Lösung in Apotheken:

  • Einsatz von Feuchtigkeitspads in den Lagerbehältern
  • Regelmäßige Kontrolle der Raumluftfeuchte
  • Dokumentation als Teil der Qualitätssicherung


Lichtschutz als Qualitätsfaktor

UV‑Licht führt zum Abbau von THC und anderen Cannabinoiden.
Daher gilt:

  • Cannabis immer lichtgeschützt lagern
  • Keine transparente Lagerung im offenen Regal
    Bevorzugt:
    geschlossene Apothekenschränke
    getönte oder braune Glasbehälter

Geeignete Aufbewahrungsbehältnisse für Medizinalcannabis

Die Wahl der richtigen Behältnisse ist entscheidend für die Langzeitstabilität.
Empfohlene Behälter:

  • Luftdichte Glasbehälter in pharmazeutischer Qualität
  • Neutral in Geruch und Material
  • Stabil, leicht zu reinigen
  • Optional: kindersichere Verschlüsse

Nicht empfohlen:

  • Kunststoffbehälter (Geruchsaufnahme, Materialalterung)
  • Beutel ohne kontrollierte Luftfeuchtigkeit
  • Mehrfachentnahmen ohne Schutzmaßnahmen


Pflichtkennzeichnung jeder Charge
Jede Lagereinheit muss eindeutig gekennzeichnet sein:

  1. Name der Sorte bzw. Bezeichnung des Extrakts
  2. THC‑ und CBD‑Gehalt
  3. Chargennummer
  4. Verfallsdatum
  5. ggf. Lieferant

Eine saubere Trennung verschiedener Chargen ist essenziell.

Sicherheitsanforderungen und Zugriffsbeschränkung

Cannabis zählt zu den überwachungspflichtigen Arzneimitteln. Daraus ergeben sich erhöhte Anforderungen an die Sicherheit:

  • Lagerung in abschließbaren Schränken oder getrennten Räumen
  • Zugriff ausschließlich für:
    • Apotheker:innen
    • pharmazeutisches Fachpersonal
  • Keine frei zugängliche Aufbewahrung
  • Getrennte Lagerung von nicht überwachungspflichtigen Präparaten

Diese Maßnahmen dienen sowohl der Missbrauchsprävention als auch der rechtlichen Absicherung der Apotheke.

Dokumentation, Kontrolle und Qualitätssicherung

Eine lückenlose Dokumentation ist ein zentraler Bestandteil der Apothekenpraxis.
Zu dokumentieren sind unter anderem:

  • Wareneingang und Chargenprüfung
  • Lagerbedingungen (Temperatur, Luftfeuchtigkeit)
  • Bestandsänderungen und Abgaben
  • Verfallsdatenkontrolle

Empfehlung:
Digitale Warenwirtschaftssysteme erleichtern die revisionssichere Dokumentation und reduzieren Fehlerquellen im Alltag.

Rechtliche Grundlagen für die Lagerung von Cannabis in Apotheken

Die Aufbewahrung von Medizinalcannabis unterliegt mehreren rechtlichen Regelwerken, darunter:

  • Apothekenbetriebsordnung (ApoBetrO)
  • Arzneimittelgesetz (AMG)
  • GDP‑Leitlinien (Good Distribution Practice)

Apotheken sind verpflichtet, jederzeit nachweisen zu können, dass Qualität, Sicherheit und Identität des Arzneimittels bis zur Abgabe gewährleistet sind.

Fazit: Lagerung von Cannabis als Teil pharmazeutischer Qualität

Die sachgerechte Lagerung von medizinischem Cannabis in der Apotheke ist kein Randthema, sondern ein wesentlicher Bestandteil pharmazeutischer Verantwortung.
Nur durch:

  • kontrollierte Umweltbedingungen
  • geeignete Behältnisse
  • klare Sicherheitskonzepte
  • und vollständige Dokumentation

kann die therapeutische Qualität von Medizinalcannabis langfristig sichergestellt werden.

Apotheken, die diese Standards konsequent umsetzen, schaffen Vertrauen – bei Ärzt:innen, Patient:innen und Aufsichtsbehörden.

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